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Worin unterscheiden sich Nord- und Südrhône?

Kurze Antwort

Die Nordrhône (2.600 ha) produziert reinsortige Syrah-Rotweine auf Granit- und Schieferböden mit kontinentalem Klima. Die Südrhône (63.000 ha) arbeitet mit Grenache-dominierten Cuvées auf kieselgeröll- und kalksteinhaltigen Böden unter mediterranem Klima und Mistral-Einfluss. Beide Zonen bilden zusammen das Rhône-Tal.

Ausführliche Antwort

Die geografische Grenze zwischen Nord- und Südrhône liegt bei Montélimar, einer Art naturräumlicher Barriere, an der die Donzère-Schlucht (le défilé de Donzère) das Rhône-Tal einengt. Nördlich davon herrscht semi-kontinentales Klima mit kälteren Wintern, atlantischen Einflüssen und engen Flusstälern mit Terrassenweinbau auf extremsten Hängen (Côte-Rôtie mit bis zu 60 % Gefälle). Südlich öffnet sich die Landschaft in eine weite Ebene mit typisch mediterranem Klima: heiße Sommer, milde Winter, 2.800 Sonnenstunden pro Jahr und der Mistral als prägender Wind.

Die Rebsortenstruktur könnte unterschiedlicher nicht sein: Der Norden ist praktisch monovarietal mit Syrah für Rotweine (Côte-Rôtie erlaubt bis 20 % Viognier-Beimischung als Ausnahme) und Viognier, Marsanne, Roussanne für Weißweine. Condrieu und Château-Grillet sind reiner Viognier, Hermitage blanc und Saint-Péray setzen auf Marsanne-Roussanne-Cuvées. Der Süden hingegen assembliert bis zu 13 Rebsorten im Châteauneuf-du-Pape (Grenache, Syrah, Mourvèdre als Haupttrio, ergänzt durch Cinsault, Counoise, Vaccarèse, Muscardin etc.). Grenache dominiert mit rund 65 % der südlichen Rotweinfläche.

Die Geologie ist ebenfalls kontrastierend: Im Norden finden sich präkambrische und variszische Gesteine – Granit (Hermitage, Saint-Joseph), Gneis und Glimmerschiefer (Côte-Rôtie Côte Brune). Diese kristallinen Böden sind eisenreich und geben der Syrah eine charakteristische Mineralität und Pfeffernote (Rotundon-Molekül, chemisch isoliert 2008). Der Süden dagegen ist geprägt von Kalksteinhängen (Gigondas, Vacqueyras), Sandböden (Lirac, Tavel) und den berühmten galets roulés von Châteauneuf-du-Pape – rundgeschliffenen Quarzitkieseln aus glazialen Ablagerungen, die tagsüber Hitze speichern und nachts an die Reben abgeben. Wenig bekannt: Die nördliche Rhône produziert nur 4 % der gesamten Rhône-Weinmenge, aber rund 60 % des Prestige-Segments. Eine Flasche Hermitage La Chapelle von Paul Jaboulet Aîné Jahrgang 1961 wurde 2007 bei Christie's für 123.000 Dollar versteigert. Auch interessant: Die Schiefer-Lagen von Cornas (100 % Syrah, kein Viognier erlaubt) gelten als die Syrah-Referenz der Welt, weit vor australischen Shiraz oder Paso Robles Syrah.

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