Bourgogne
Weine aus dem Beaujolais: der Leitfaden zwischen Nouveau und Cru
Gamay, Granit und die zwei Gesichter einer Region
Weine aus dem Beaujolais: der Leitfaden zwischen Nouveau und Cru
Gamay, Granit und die zwei Gesichter einer Region
Zuletzt aktualisiert: Juni 2026 | expertvin, Weinspezialist in Belgien
Das Beaujolais südlich von Burgund erzeugt aus der Rebsorte Gamay leichte, fruchtige Rotweine mit zwei sehr unterschiedlichen Gesichtern. Auf der einen Seite steht der unbeschwerte Beaujolais Nouveau, auf der anderen die strukturierten, lagerfähigen Weine der zehn Crus auf Granitboden. Beide zeigen die Vielseitigkeit dieser unterschätzten Region.
Dieser Leitfaden erklärt die Rebsorte Gamay, die Kohlensäuremaischung, den Beaujolais Nouveau und die zehn Crus, den frischen Stil der Region sowie Service und Speisen, die zu Gamay passen.
Wo liegt das Beaujolais und was kennzeichnet es?
Das Beaujolais liegt im Osten Frankreichs, südlich des Burgunds und nördlich von Lyon, in einer hügeligen Landschaft. Obwohl es geografisch und stilistisch eng mit dem Burgund verbunden ist, bildet es eine eigene Region mit eigener Leitsorte, dem Gamay, und einem eigenständigen Charakter.
Entscheidend für die Qualität ist der Boden: Im Norden bestehen die Hügel aus verwittertem Granit und Schiefer, auf dem die besten, strukturierten Weine der Crus wachsen, im Süden aus lehmig-kalkigen Böden, die leichtere Weine ergeben. Diese geologische Zweiteilung erklärt die beiden Gesichter der Region, vom einfachen Beaujolais bis zum ernsten Cru.
Warum ist Gamay die Seele des Beaujolais?
Gamay ist die einzige rote Rebsorte des Beaujolais und prägt seinen Charakter vollständig. Die Sorte ergibt helle, leuchtende Rotweine mit Aromen von frischen roten Früchten wie Kirsche und Himbeere, wenig Tannin und einer lebendigen Säure, die ihnen Saftigkeit und Trinkfluss verleiht.
Historisch wurde Gamay im 14. Jahrhundert aus dem besten Burgund verbannt und nach Süden ins Beaujolais gedrängt, wo er auf Granitboden seine Heimat fand. Diese Verbindung von Sorte und Boden ist die Grundlage der Region. Gamay verkörpert den frischen, fruchtigen und zugänglichen Stil des Beaujolais und ist untrennbar mit seiner Identität verbunden.
Was bewirkt die Kohlensäuremaischung?
Die Kohlensäuremaischung ist die typische Bereitungsmethode des Beaujolais und prägt seinen Stil entscheidend. Dabei kommen ganze, ungequetschte Trauben in einen mit Kohlendioxid gefüllten Tank, sodass die Gärung zunächst im Inneren jeder einzelnen Beere beginnt, was die Frucht betont und die Gerbstoffe mindert.
Das Ergebnis sind besonders aromatische, weiche Weine mit den charakteristischen Noten von Banane, Kaugummi und rotem Bonbon, wie sie der Beaujolais Nouveau zeigt. Je klassischer dagegen vergoren wird, desto mehr Struktur und Tiefe gewinnt der Wein. Die Crus nutzen oft nur eine teilweise Kohlensäuremaischung oder verzichten ganz darauf, um lagerfähige Weine zu erzeugen.
Welche Rolle spielt der Beaujolais Nouveau?
Der Beaujolais Nouveau ist ein Jungwein, der am dritten Donnerstag im November des Erntejahres weltweit gleichzeitig in den Verkauf kommt, nur wenige Wochen nach der Lese. Er ist zum sofortigen, fröhlichen Genuss gedacht und steht für die fruchtigste, leichteste Seite des Gamay.
Das Phänomen wurde ab den 1970er-Jahren zu einem internationalen Marketingerfolg und machte die Region weltbekannt, verengte ihr Image aber zugleich auf den einfachen Jungwein. Heute bemühen sich die Winzer, beide Seiten sichtbar zu machen: das unbeschwerte Vergnügen des Nouveau und die große, lagerfähige Qualität der Crus, die das wahre Potenzial der Region zeigen.
Was zeichnet die zehn Crus aus?
Die zehn Crus liegen im Norden des Beaujolais auf Granit- und Schieferböden und bringen die strukturiertesten und langlebigsten Gamays hervor. Sie tragen eigene Appellationen und verzichten meist auf den Zusatz Beaujolais auf dem Etikett, denn sie gelten als die ernstesten Weine der Region.
Morgonkräftig und dunkel, mit Reifepotenzial, oft an Pinot Noir erinnernd
Moulin-à-Ventder strukturierteste und lagerfähigste Cru, fast tanninbetont
Fleuriefloral, fein und elegant, der zarteste der Crus
Brouilly und die übrigen Crusvielfältige Stile zwischen Frucht, Würze und Eleganz
Wie unterscheiden sich die Qualitätsstufen?
Das Beaujolais kennt mehrere Qualitätsstufen, die sich am Etikett ablesen lassen. Die einfache Bezeichnung Beaujolais steht für leichte, fruchtige Weine aus dem ganzen Gebiet, meist aus dem lehmigen Süden, die jung getrunken werden. Beaujolais-Villages kennzeichnet eine höhere Stufe aus ausgewählten Gemeinden mit mehr Struktur.
Die zehn Crus bilden die Spitze und tragen statt des Wortes Beaujolais den Namen ihrer Gemeinde. Sie stehen für die lagerfähigsten Weine mit eigenem Charakter. Wer einen leichten Sommerwein sucht, greift zum einfachen Beaujolais, wer Tiefe und Reifepotenzial möchte, zu einem Cru. Diese Hierarchie erleichtert die gezielte Auswahl je nach Anlass.
Wie serviert man Beaujolais richtig?
Beaujolais kommt leicht gekühlt am besten zur Geltung, bei etwa zwölf bis vierzehn Grad, also kühler als die meisten Rotweine. Die Kühle betont seine Frische und Frucht und macht ihn besonders erfrischend. Zu warm serviert wirkt er flach und verliert seine lebendige Säure, die seinen Reiz ausmacht.
Beaujolais Nouveau und leichte Beaujolais profitieren von einer kurzen Kühlung im Kühlschrank vor dem Servieren, ähnlich einem Weißwein. Strukturierte Crus dürfen etwas wärmer und aus einem größeren Glas getrunken werden, um ihre Tiefe zu zeigen. Dekantieren ist selten nötig, da die Weine wenig Tannin besitzen und sich rasch öffnen.
Welche Speisen passen zu Beaujolais?
Beaujolais ist dank seiner Frische und seines geringen Tannins ein außergewöhnlich vielseitiger Speisenbegleiter. Er passt zu Charcuterie, gebratenem Geflügel, Schweinefleisch und vielen Vorspeisen, und seine Säure trägt sogar zu Gerichten, die vielen Rotweinen schwerfallen, etwa zu Fisch in roter Sauce.
Klassisch ist die Paarung mit der Küche von Lyon am Rand der Region, mit Geflügel, Wurst und Pasteten. Strukturierte Crus begleiten auch kräftigere Gerichte wie Wild oder Schmorbraten. Leicht gekühlt ist Beaujolais zudem einer der besten Rotweine für den Sommer und für gesellige Anlässe ohne festes Menü, weil er unkompliziert und erfrischend ist.
Welche Rolle spielt das Beaujolais in der modernen Weinszene?
Das Beaujolais erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Aufwertung, weil viele Trinker und Sommeliers heute leichte, frische und weniger schwere Rotweine bevorzugen. Der saftige, fruchtige und leicht gekühlt servierbare Gamay trifft genau diesen Geschmack und hat die Region neu ins Bewusstsein gerückt.
Besonders die Crus des Beaujolais werden von ernsthaften Weinliebhabern wiederentdeckt, die in ihnen eine preiswerte Alternative zum teuren Burgund sehen. Eine neue Generation von Winzern arbeitet biologisch und naturnah und keltert präzise, herkunftsbetonte Weine, die das alte Image des einfachen Jungweins hinter sich lassen.
Auch in der Naturweinbewegung ist das Beaujolais ein wichtiges Zentrum, weil die Frische und das geringe Tannin des Gamay auch bei minimalem Eingriff lebendige Weine ergeben. Diese Entwicklung hat die Region von einer auf den Nouveau verengten Wahrnehmung zu einem der spannendsten Themen des modernen Rotweins gemacht und ihr neues Ansehen verschafft.
Welche Missverständnisse gibt es über das Beaujolais?
Das größte Missverständnis ist, das Beaujolais erzeuge nur den einfachen Jungwein Beaujolais Nouveau. Tatsächlich reicht das Spektrum vom unbeschwerten Jungwein bis zu strukturierten, jahrzehntelang lagerfähigen Crus, die mit gutem Burgund mithalten können.
Ein zweiter Irrtum ist, leichte Rotweine seien minderwertig. Gerade die Leichtigkeit und Frische des Gamay machen ihn vielseitig und modern, weil viele Trinker heute saftige, weniger schwere Rotweine bevorzugen. Schließlich wird oft übersehen, dass Cru-Beaujolais zu den preiswertesten Wegen gehört, ernsthaften, gereiften Rotwein zu erleben.
Häufig gestellte Fragen
Welche Weine kommen aus dem Beaujolais?
Das Beaujolais erzeugt überwiegend rote Weine aus der Rebsorte Gamay, von leichten, fruchtigen Beaujolais und dem berühmten Beaujolais Nouveau bis zu den strukturierten, lagerfähigen Weinen der zehn Crus. In kleiner Menge gibt es auch Weiß- und Roséwein.
Was ist Beaujolais Nouveau?
Beaujolais Nouveau ist ein Jungwein aus Gamay, der am dritten Donnerstag im November des Erntejahres in den Verkauf kommt. Durch die Kohlensäuremaischung zeigt er die typischen Aromen von Banane und rotem Bonbon und ist zum sofortigen, jungen Genuss gedacht.
Was sind die Crus du Beaujolais?
Die Crus du Beaujolais sind zehn besondere Gemeinden im Norden der Region, die auf Granitböden strukturierte, lagerfähige Gamays hervorbringen, etwa Morgon, Fleurie und Moulin-à-Vent. Sie tragen den Namen ihrer Gemeinde und gelten als die ernstesten Weine des Beaujolais.